Hey n3ofolkr,
um ein Gewitter aufzuzeichnen würde ich von einem
Limiter absehen. Ein authentisches Gewitter lebt von einer großen
Dynamik und es wäre doch schade, diese von Anfang an einzugrenzen. Wenn du in den Parametern eine Abtastrate von 48KHz und eine Tiefe von 24 Bit anwählst, hast du genügend
Headroom um anständig zu pegeln. Mit den daraus resultierende >110dB Dynamikumfang bist du schon mal sehr gut dabei. Was den Windschutz anbelangt muss ich jedoch Al-Mastering recht geben. Ein Gewitter ist ja meisstens mit starkem Wind verbunden, der auf deiner Aufnahme unangenehm rumpeln und dröhnen wird. Gerade Kondensator, in deinem Fall Elektretkapseln, sind dort sehr empfindlich. Natürlich ist knapp 60€ für einen originalen Windschutz ne ganze Menge Holz. Wenn du das ganze etwas günstiger haben willst, geht das natürlich auch.
Der folgende Ratschlag wird zwar bei dem ein oder anderen ein Lächeln oder sogar Lachen hervorrufen, jedoch ist das vollkommen ernst gemeint.
Stülpe ein Kondom über die Mikrofone deines Geräts! Diese dünne "Haut" wird den Wind abhalten und dabei die Brillianzen kaum beeinträchtigen. Das sieht zwar beim besten willen nicht professionell aus, aber ich stehe immer auf ein gutes Ergebnis, egal wie es erzielt wurde

Eine Filterung würde ich persönlich erst nach dem Aufzeichnen vornehmen, falls es überhaupt notwendig sein sollte. Prasselnde Regentropfen haben einen relativ hohen Anteil an hohen Frequenzen, die man, wenn überhaupt, nur absenken, jedoch nicht komplett beschneiden sollte. Aber auch hier zählt, wie Gü-Mix schon schrieb, dass man mit Ausprobieren zu den Besten Ergebnissen kommt, wenn man sich schlichtweg nicht sicher ist. Ich rate jedoch bei der Aufzeichnung selber davon ab, denn dann hast du im stillen Kämmerlein den kompletten Handlungsspielraum, was die Postpro deiner Atmo anbelangt.
Kleiner Tipp:
Nimm dir in jedem Fall einen Kopfhörer mit und höre während der Aufnahme immer in die Aufzeichnung rein. Deine Mikrofonkapseln sind nicht statisch sondern lassen sich bewegen, sodass du zwischen einer "XY" (es ist kein echtes XY, dazu müssten die Kapseln noch enger zusammen liegen) und einer "ORTF" (kein echtes ORTF, dazu gehören die Kapseln weiter auseinander) Mikrofonie auswählen kannst. Beim XY hast du ein relativ schmales Stereobild, bei ORTF ein breiteres und eine bessere Ortung. Um zu überprüfen, was dir besser gefällt, musst du dich auf deine Ohren verlassen. Zudem merkst du so sofort, ob der Pegel zu hoch wird, also ob was zerrt. Auf das eingebaute PPM würde ich mich hier nicht immer verlassen. Um eine Übersteuerung wirklich auszuschließen kannst du zwar den
Limiter nutzen, jedoch merkst du dann eventuell nicht sofort, wenn du das File in seiner natürlichen
Dynamik beschneidest. Die -12dB sind an der Anzeige in fett markiert. Diesen Wert solltest du wenn möglich als deinen maximalen Pegel ansteuern. Die digitale Vollaussteuerung liegt bei -9dB(fs). Bei alten Analoggeräten liegt diese Grenze bei 0dB. Jedoch ist dadrüber noch etwas
Headroom, bis es in die Übersteuerung rein fährt. Da die digitale fs-Skala (full scale) einen digitalen Datenstrom und keinen Spannungspegel definiert, ist bei 0dB(fs) schicht im Schacht. Ein "drüber" gibt es nicht, die Datenkapazität ist ausgenutzt und es zerrt sofort unangenehm. Das kommt daher, da die Wellenform nicht mehr korrekt aufgezeichnet werden kann. Eine Sinuswelle würde also oben Abgeflacht. Die krasseste Abflachung kann man beim Recheckmuster eines Testtongenerators hören. Damit solche nicht liniearen Verzerrungen ausgeschlossen werden können, hat man sich international auf -9dB(fs) als Vollaussteuerung geeinigt, damit man noch 9dB als
Headroom behält und somit Spitzen abfangen kann, die sonst die Aufnahme zerstören würden.
Aber probier einfach mal rum. Fahr auch ruhig mal zum Spaß in die Übersteuerung rein, damit du weisst, wie es tatsächlich klingt, wenn eine solche Aufnahme unwiederbringlich zerstört wurde... dann passt man doppelt auf
Herzliche Grüße,
Till