Mittwoch, 28. September 2011, 18:57
Dieses Tutorial beschreibt, wie man mit einfachen technischen Mitteln Bassdrumsamples im Bassbereich ergänzen kann, um einen Titel fetter erscheinen zu lassen. Diese Technik lässt sich auf ein bestehendes Master, sowie auch auf Einzelspuren anwenden.
Ausgangsmaterial: >
Midtown Night erstellt von > Drawinks
Werkzeuge:
- Sequenzer
- Hoch- und Tiefpassfilter
- Sidechainfähiges Noisegate
- Wellenformgenerator
- Hallgerät
- FFT Filter
- Multibandkompressor
- Brickwalllimiter
Endergebnis: > Midtown Night, mal anders
Problemstellung:
Das Ausgangsmaterial besteht aus einem bereits gemasteren Track, welcher im Bassbereich für den entsprechenden Musikstil etwas zu dünn wirkt. Das im Mix verwendete Bassdrumsample beinhaltet zu wenige Tiefbassanteile, alsdass es ausreichen würde den gesamten Bassbereich breitbandig anzuheben. Die Bassline würde zwar druckvoller erscheinen, jedoch wäre die Bassdrum nachwievor zu schlank.
Wie ist es zu bewerkstelligen, dass sich auch die Kick druckvoll im Mix einfügt, ohne dass der Mix mit einem neuen Sample erstellt werden muss?
mögliche Herangehensweise:
Zunächst erstellt man in einem Sequenzer ein Projekt mit zwei Stereo- und einer Monospur.
In die beiden Stereospuren läd man nun das zu bearbeitende Ausgangsmaterial ein, sodass sie deckungsgleich übereinander liegen.
In die Monospur wird mit Hilfe eines Wellenformgenerators ein tieffrequenter Sinuston generiert. In diesem Fall bietet sich eine
Frequenz von 40Hz an, da sie in etwa einer Oktavierung des ersten Grundtons entspricht. Selbstverstänlich können auch andere Frequenzen genutzt werden, da in der Regel dieser Ton im Endprodukt nicht mehr klar wahrnehmbar ist.
Somit sieht die Spurbelegung so aus:
Stereo 1: Originalmaterial
Stereo 2: Kopie des Originalmaterials
Mono 1: tieffrequentes Sinussignal
Bevor die eigentliche Signalbearbeitung beginnt, sollte man bereits das Routing festlegen, damit sich die Pegel des Originals und dessen Kopie nicht addieren:
Stereo 1: Stereomaster
Stereo 2: ohne Output
Mono 1: Stereomaster
Erklärung zum Routing:
Das Originalsignal der ersten Stereospur dient als Grundlage des zu erreichenden Endmixes und muss daher auf den Hauptausgang geroutet werden. Das ist in der Regel der Stereomaster.
Die Kopie auf Stereo 2 dient ausschließlich als Trigger und wird im Endmix nicht benötigt.
Der generierte Sinuston auf Mono 1 wird genutzt um die das Bassdrumsample zu ergänzen. Daher ist es notwendig, dass es auf den Gleichen Master oder Bus geroutet wird, wie das Ausgangsmaterial. Das ist notwendig, damit die endgültige Bearbeitung durch Hallgerät,
Kompressor und
Limiter auf die resultierende Summe angewand werden kann.
Signalbearbeitung des Triggersignals:
Es ist zu erreichen, dass der Pegel der Bassdrum im Material des Triggersignals den höchsten Pegelausschlag aufweist. Da sich im Ausgansmaterial die Pegel von Snare und Kick auf etwa dem gleichen Niveau befinden, muss das Signal zunächst bearbeitet werden um als eindeutiges Triggersignal genutzt werden zu können. Hierzu wird das Signal mit einem Tiefpassfilter so beschnitten, dass sich der hochfrequente Snarepegel unterhalb des tieffrequenten Bassdrumpegels befindet. Mit einem zusätzlichen Hochpassfilter kann man den Track noch genauer "säubern", um den Kickpegel möglichst gut zu isolieren. Um die Grenzfrequenzen der Filter an der richtigen Stelle zu plazieren, kann man den Frequenzgang des Tracks mit einem Spectrum Analyzer betrachten oder die Grenzfrequenzen so lange verschieben, bis im PPM der Bassdrumpegel eindeutig hervorsticht.
Die Monospur:
Da der generierte Sinuston nicht durchgehend zu hören, sondern nur als zusätzlicher Impuls zur Kick addiert werden soll, muss in die Spur ein
Gate eingeschliffen werden. Wichtig ist hierbei, dass das
Gate einen Sidechaineingang besitzt, damit es von einem fremden Signal gesteuert werden kann.
- allgemeines zum Gate:
Normalerweise wird ein Noisegate dazu genutzt, das Übersprechen von Mikrofonen zu verringern (Expander) oder komplett zu unterbinden. Wenn z.B. in die Bassdrumspur eines akustischen Drumsets ein
Gate insertiert wird, kann man dieses so einstellen, dass die leisen Pegel, die das Mikrofon noch von der Snare und anderen Schallquellen abbildet, eliminiert werden. Das ist im Prizip so, als würde der entsprechende Kanalzug stummgeschaltet, bis ein Nutzsignal kommt, das zu hören sein soll. In diesem Moment wird der Kanal wieder für die Dauer des aufgetretenen Nutzpegels geöffnet. Sinkt der Pegel wieder unter den definierten Schwellwert, wird der Kanal erneut stummgeschaltet. Das macht das
Gate mit den richtigen Einstellungen von selbst.
Da der hier relevante Pegel, welcher das
Gate öffnen soll, nicht auf der Monospur zu finden ist, sondern auf der Triggerspur (Stereo 2), muss das
Gate von dieser Spur, also von aussen, angesteuert werden. Hierzu wird an den Sidechaineingang das bearbeitete Triggersignal von Stereo 2 angelegt. Über den Threshold des Gates wird nun der Schwellwertpegel definiert, wann sich das
Gate öffnen soll. Der Schwellwert ist so zu wählen, dass ausschließlich der Bassdrumpegel das
Gate öffnet, nicht aber der Pegel der Snare oder der Bassline.
Nun wird das Sinussignal nicht mehr dauerhaft wiedergegeben, sondern nur noch in, zur Bassdrum synchronen, Impulsen.
Als Attack- und Releasewerte wurden in diesem Fall 30ms (Attack) und 150ms (Release) verwendet.
Natürlich können auch andere Parameter verwendet werden. Die Attacktime wurde hier mit 30ms definiert, um ein Knacken zu vermeiden und der original Kick eine Einschwingphase zu ermöglichen, bevor der eigentiche, tieffrequente Teil ansetzt. Die Releasetime von 150ms stellt an dieser Stelle sicher, dass die Kick weiterhin eine Ausschwingphase behält, nachdem das Signal eingesetzt hat. Bei kürzeren Werten scheint das Signal abzureissen, bei längeren verliert die Kick an Punch, was jedoch je nach Track auch einen tollen Effekt hervorrufen kann.
Mischung:
Das Original (Stereo 1) und das angetriggerte Sinussignal (Mono 1) können nun zusammengemischt werden. Das Mischungsverhältnis ist so zu wählen, dass der zusätzliche Bassgewinn nicht aufdringlich erscheint, sondern nur songdienlich die Bassdrum aufbläst.
Endbearbeitung des "Masters":
Die aus der Mischung resultierende Stereosumme kann nun weiterberarbeitet werden. Hierzu wurde in diesem Beispiel ein Hallgerät genutzt (kleiner Raum; 1,3 Sekunden Nachhallzeit; Hochpassfilter damit der Bass nicht schwammig wird). Der Raum wurde subtil unter die Summe gemischt, sodass der Höreindruck natürlicher wurde, ohne dabei eine eindeutige Hallfahne zu hinterlassen, welche diesen perkusiven, elektronischen Track hätte schwammig wirken lassen.
Als nächstes Glied der Kette wurde ein Multibandkompressor mit vier Bändern genutzt, um die einzelnen Frequenzbereiche getrennt in der
Dynamik bearbeiten zu können.
Mit einem FFT Filter wurde anschließend der Frequenzbereich um 20-50Hz breitbandig um einige dB angehoben. Die Reihenfolge ist hier wichtig, da zuerst der Bassbereich mit den hinzugewonnenen 40Hz komprimiert werden musst, um eine Übersteuerung durch die Anhebung zu vermeiden.
Das resultierende Signal wurde abschließend mit einem Masterkompressor und Brickwallimiter erneut verdichtet und auf einen maximalen Pegel von -0.3dB gebracht. Man sollte darauf achten, dass in dem zu bearbeitenden Titel trotz der kräftigen Kompression und Limitierung ein ausreichendes Maß an
Dynamik vorhanden bleibt, da sonst der Spannungsbogen verloren geht und sich die Gefahr von auftretenden Verzerrungen erhöht.
Unter Umständen muss der Hallanteil nach den genannten Bearbeitungsschritten verändert werden, da durch die Kompression die leisen Anteile weiter in den Vordergrund gerückt werden.
Fazit:
Der Track ist nun im Bassbereich um einiges kräftiger, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Der Präsenzbereich hat ein bisschen abgenommen, da durch das vorangehende Mastering des Erstellers die einzelnen Songbestandteile nur noch schlecht getrennt zu bearbeiten sind.
Das Resultat sollte so nicht als Master gelten sondern nur dem Zweck einer Demonstration dienen! Es ist sinnvoller die Bearbeitung durch das angetriggerte 40Hz Signal bereits während der Mischung durchzuführen, ebenso wie die Bearbeitung der Bassline. So bleibt beim tatsächlichen Mastering ein hohes Maß an Bearbeitungsmöglichkeiten bestehen, sodass auch die Präsenz wieder hergestellt werden kann.
Wenn im Mix die einzelnen Komponenten des Schlagzeugs auf getrennten Spuren vorliegen, kann man auf das Erstellen einer extra Triggerspur verzichten und für das
Sidechain direkt die eigentliche Nutzsignalspur verwenden. Es ist auch leichter im Mix das richtige Mischungsverhältnis zu finden, wenn die Einzelsignale noch nicht zu einer Summe addiert wurden.
Diese Technik ist für jeden Musikstil denkbar, wenn die Bassdrum nicht genügend Tiefbassanteile mitbringt.