Sie sind nicht angemeldet.

Bestbewertete Benutzer
1

trippleheadshot

(292)

2

Gü-Mix

(248)

3

Suedalpler

(207)

4

Markus H

(203)

5

senior operator

(171)

6

fb-T

(171)

7

AI-Mastering

(161)

Aktivster User des Monats

1
tanzdenschwamm

32 Beiträge

2
trippleheadshot

29 Beiträge

3
senior operator

29 Beiträge

4
Mr.Dude

27 Beiträge

5
Euphonic Engineering

22 Beiträge

  • Suedalpler

    Fortgeschrittener

    Sie müssen sich registrieren, um eine Verbindung mit diesem Benutzer herzustellen.

24

Gesangskabine bauen - Anforderungen, Probleme, Tips und Tricks

Bewertung:

Von Suedalpler, Freitag, 23. Dezember 2011, 23:30

Hallo zusammen,
nachdem mein erster Versuch durch eigene Dummheit fehlgeschlagen ist, folgt hier nun der zweite Versuch.
Um Kritik und eigene Ideen wird ausdrücklich gebeten. Erwähnen möchte ich jedoch, daß alle hier aufgeführte Maßnahmen in der Praxis erprobt wurden und sich als recht Erfolgsversprechend erwiesen haben.


Als erstes möchte ich meine Betrachtungsweise darstellen. Eine Gesangskabine soll in akkustisch ungünstig gelegenen Räumlichkeiten störenden Aussenlärm wegfiltern und gegebenenfalls die Nachbarn vor unserem Getröte schützen. Gleichzeitig soll die Innenakustik aber den Charakter der Stimme (oder des Instrumentes) erhalten, unter Umständen sogar eine gewisse Variabilität in der Klangfärbung ermöglichen. Was die Klanfärbung angeht, so stellen wir uns einfach ein Gespräch in der freien Natur vor. Kein Wald, keine Berge, keine Hochhäuser - Flachland eben. Die Stimme unseres Gegenübers klingt völlig frei, es stört keine Verfärbung oder Echo. Wir können jedes Wort gut verstehen. Aber zum Singen reicht das nicht. In jedem Theater, Kirche, Oper, auch in einem alten Freilufttheater, unterstütz die Akustik bewußt die Stimme des Sängers, und führt diese zu mehr Volumen und Klangfarbe. Und so ähnlich soll es auch eine Gesangskabine hinbekommen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist somit, daß der Schall nicht totgedämpft wird, sondern soweit im Zaum gehalten werden soll, daß nicht die ganze Bude wackelt, aber trotzdem der Charakter erhalten bleibt. Bedingt durch die eigentlich zu geringe Größe, und somit auch geringe Masse, passiert es sehr leicht, das die geringe Energie der menschlichen Stimme bereits ausreicht unerwünschte Resonanzen zu erzeugen, welche uns das gesamte Klangbild in sich zusammenfallen läßt. Kurz zusammengefaßt: die ideale Gesangskabine verschont uns vor Umweltgeräuschen, bietet uns nach Möglichkeit eine variable Akustik, und schwingt nur dort mit wo wir es wollen und hält dort Ruhe wo wir es verlangen.

Nun zum Weg dorthin. Diesen Teile ich mal in zwei Bereiche:
1. Grundkonstruktion und Materialwahl
2. Akustischer Feinschliff

1. Grundkonstruktion und Aufstellung
Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
a. mit Masseankoppelung
b. entkoppelte Bauweise
a. bedeutet, daß wir die Kabine mir vorhanden Wänden/Böden/Decken fest verbinden. Diese Variante erfordert jedoch eine Grundsolide Bausubstanz, dicke tragende Wände, recht dicke Betonfußböden und -decken. Im normalen Gebäuden/Wohnhäusern ist das in der Regel nicht der Fall. Wenn wir die Schritte der Nachbarn über uns deutlich hören können, ist dies Bauweise zum scheitern verurteilt. Dieser Trittschall würde sich unweigerlich auch in unsere Gesangskabine übertragen. Der Vorteil einer solchen Konstruktion ist dagegen der, daß wir somit schon im Vorfeld störende Resonanzen vermeiden. Da diese Bedingungen recht selten vorkommen, kommt in den meisten Fällen wohl die Variante b. zum Einsatz.
b. bedeutet, daß wir uns von der laberigen Bauweise des Gebäudes fernhalten. Also quasi eine schwimmende Bauweise. Hier verzichten wir also auf die stabilisierende Wirkung des Gabäudes, welche eh nicht gegeben ist, und dieses eher selbst störend schwingt als des es unsere Kabine beruhigt. Egal ob Kantholz- oder Blechprofilkonstruktion, in beiden Fällen hilft uns eine Lage Dämmstoff unter die Profile/Kanthölzer bevor wir diese mit dem Boden verschrauben. Eine Methode wäre z. B. die Profile mit Hilfen von Keilen so ca. 0,5 bis 1cm über den Boden anzubringen. Danach wird der Zwischenraum mit PU-Schaum ausgeschäumt. Nach dem Aushärten wird der überstehende Schaum weggeschnitten und die Keile entfernt. Diese Technik wird auch oft von Parkettverlegern angewendet. Eine weitere Möglichkeit wäre die Anbringung auf Maschinenfüßen. Hierzu müßte die Gesamtmasse zuvor berechnet werden. Einfach um die Wahl der richtigen Füße zu erleichtern.
Auf eine Verbindung mit der Decke kann sogar ganz verzichtet werden. Vor allem dann wenn die Nachbarn über uns mit störendem Trittschall nerven.
Das eigentlich Grundgerippe sollte mehrfach verript werden, 2-3 mehr als üblich, sogar schräge Verrippungen sind angebracht.
Die Rigipsplatten sollten keinen Bodenkontakt aufweisen - unsere PU-Schaumdämpfung wäre damit für die Katz.
Wer möchte, kann die Platten von innen mit einer Lage billigem PU-Bodenbelag versehen. So werden höher liegende Resonanzen schon im Keim erstickt.
Der Boden wird bei Bedarf auch wieder schwimmend verlegt. Darauf achten, daß kein direkter Kontakt mit den Wänden entsteht (schwimmende Parkettverlegung). In Kellerräumen kann darauf aber getrost verzichtet werden (liegen ja nur 12.000 km Erde darunter. Das muss reichen).
Glasflächen eher kleinhalten. Und wenn notwendig, dann eher dickes, doppelwandiges Glas. Glas schwingt verzögert mit, und frisst somit Energie.
Was den Aufstellungsort angeht, so gilt für beide Bauweisen die Regel, daß man möglichst die Mitte des Raumes meiden sollte. Dort befinden wir uns quasi auf dem Schwingungsbauch des Raumes, bzw. des Bodens. Also nach Möglichkeit dezentral plazieren. Am besten recht nah an eine Ecke oder tragende Wände. Den Boden kann man ja prima dadurch testen, indem man an verschieden Stellen einfach mal kräftig aufspringt. Da wo am wenigsten die Bude wackelt ist der beste Ort.

Für beide bauweisen gilt: niemals quadratisch, bzw. Quaderförmig. Das Resultat läst sich anschliessend kaum noch akustisch steuern. Bei einer gegeben Höhe von vielleicht 2,30m (mehr ist immer besser, aber halt nich immer realisierbar) kann die Grundfläche z. B. 3 x 1,8m betragen. Oder 3 x 4m, auch 1,5 x 2,7. Aber niemals 2 x 2m, auch nicht 3 x 3m. In quadritischen oder quaderförmigen Räumen bauen sich die Resonanzbäuche wesentlich stärker auf, als ungleichmäßigem Grundriss.

Kommen wir noch zur Materialwahl. Auch hier haben wir wieder zwei Möglichkeiten:
a. künstliche Werkstoffe
b. natürliche Werkstoffe (Holz)
a. sind z. B. Rigips. Hier erreichen wir eine annähernd Klangneutrale Akustik. Die gewollten Klangfarben werden später gezielt durch Modifikationen erzeugt. Vorteil: preiswert und große Variabilität.
b. oder Holz, hier bekommen wir durch eine entsprechende Auswahl und Konstruktion einen Klangcharakter gleich mitgeliefert. Und dazu noch einen sehr angenehmen! (dazu später mehr). Nachteil: teurer und geringere Variabilität.


Teil 2: Geometrie und akustischer Feinschliff

Damit die Kabine uns auch akustisch zufriedenstellt, und das tut sie dann wenn Gesang und diverse Instrumente weitestgehend natürlich klingen, bedarf es neben einem soliden handwerklichem Aufbau noch einiger Tricks. Bei der Grundkonstruktion gilt jede Regelmäßigkeit zu vermeiden. So werden stehende Wellen vermieden, und die entstehenden Resonanzen verteilen sich auf ein breiteres Spektrum mit geringerer Energie, was deren Kontrolle bzw. Eindämmung erleichtert. Unsymetrische Aufbauten wie im Bild unten bringen hier klare Vorteile. Die Winkelangaben sind rein willkürlich. 4 Grad Abweichung reichen schon in der Regel aus. Was über 10 Grad hinausgeht ist in der Praxis meist nicht zu realisieren (wegen dem fehlendem Platzangebot). Dies gilt nicht nur für den Grundriss, sondern auch für die Deckenkonstruktion. Je nach Situation, wird diese entweder direkt so konzipiert, oder als abgehängte Decke nachträglich eingebaut. Auf irgendwelche Maßangaben habe ich bewußt verzichtet, da sich ja jeder nach seinen eigenen Platzverhältnissen richten muß.



Als nächstes können wir die Wände als auch die Decke schon einer gewissen Modifikation unterziehen, was uns später einiges an Diffusor- und Dämmelementen erspart. Die Wände können mit 6-8cm breiten Latten stabilisiert werden. Dabei schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.
1. wir erhöhen die Masse der Wand - das ergibt eine geringere Resonanzanfälligkeit
2. mögliche Resonazlinien werden unterbrochen - Aufsplittung in mehrere Resonanzem mit kleinerer Amplitude, welche sich weniger störend auswirken
3. zerstreuung von Reflexionen - zwar nur im geringen Maße, aber immerhin ein Schritt nach nach vorn

Die nach Innen liegenden Kanten können noch verrundet werden. Das verbessert nochmals das Reflexionsverhalten. Die Latten sollten ohne Zwischendämmung direkt auf der Wand angebracht werden. Ein Boden- und Deckenkontakt ist zu vermeiden. Und selbstverständlich gilt auch hier wieder: Unregelmäßigkeit ist Trumpf. Das gilt für die Breite der Latten als auch für die Abstände untereinander.
Das gleiche gilt für eine akustisch vorteilhafte Decke. Hier werden die Latten mit einem Abstand von 1-2 cm untereinander, und einem Abstand von ca. 4-6cm von der Decke angebracht. Der Zwischenraum zur Decke sollte mit einem Dämmmaterial locker aufgefüllt werden. Sehr gute Ergebnisse erreicht man mit Naturwolle. Unter MONACOR INTERNATIONAL : Home gibt es unter dem Link "Lautsprechertechnik" fertige Dämmwolle mit 75% Naturwolleanteil. Wer ein Wollverarbeitungswerk in seiner Nähe hat, kann sich dort wunderbar mit Resten eindecken.
Eine sehr neutrale Deckenvariante erreicht man mit der Verwendung von unregelmäßig gelochten Mineralwolldeckenplatten (wichtig: unregelmäßig!!!). Informationen dazu gibt es unter http://www.owa.de. Wer es ganz fein haben will, der Kombiniert diese Bauweisen einfach - 1/3 Holzlattung, 2/3 Mineralwollplatten und das ganze noch genickt, wie im Bild unten zu sehen. Dies erübrigt sämtliche Diffusoren und Dämmplatten an der Decke.



Damit wäre der bauliche Teil abgeschlossen. Was jetzt noch bleibt ist die Verwendung von variabel einsetzbaren Akustikelementen, und last not least, die Bekämpfung der räumlichen Grundresonanz, welche uns eigentlich am meisten stört. Weshalb wir uns jetzt zuerst mal dieser zuwenden.
Leider ist eine solche Resonanz erst bei der Fertigstellung der Kabine zu ermitteln. Da jeder seine eigene Form wählt, diese ergibt sich durch das vorhandene Platzangebot, kann diese Resonanz unmöglich im Voraus berechnet werden. Ausserdem spielt die vorhandene Bausubstanz mit eine entscheidende Rolle.
Als Vergleich möchte ich eine Bassreflexbox heranziehen. Hierbei wird die Energie vom Innerem der Box nach aussen umgeleitet. So wird ein Teil des Bassbereiches nicht einfach vernichtet, sondern für die Wiedergabe gezielt mitverwendet. Das beschert uns einen höheren Wirkungsgrad. Dabei steht hier die Betrachtung der überschüssigen Energie im Vordergrund. Bei einer geschlossenen Box wird diese durch viel Dämmwolle einfach nur vernichtet. Auf unsere Gesangskabine übertragen bedeutet dies für uns die Kabine entweder mit Wolle vollstopfen (was natürlich nicht im Sinne des Erfinders ist) oder sie mit Spezialelementen zu versehen. Solche Elemente wären z. B. Basstraps, wie sie die Firma HOFA anbietet. Es geht aber auch preiswerter. Wir vernichten die Energie nicht, sonder wir leiten sie nach aussen. Und damit sie nicht ausserhalb der Gesangskabine stört, wird die Energie eben auf dem Weg nach draussen vernichtet.
Dazu klopfen wir die Wände mit der Faust oder einem Gummihammer ab nach dem Punkt, welcher die stärkste Resonanz hervorruft. Hier bohren, bzw. sägen wir nun ein Loch von 15-20cm Durchmesser (abhängig vom später verwendetem Rohrmaterial). Das führen wir an jeder einzelnen der 4 Wände durch. Im Sanitärhandel erhalten wir verschiedene Plastikrohre und dazu passende Elemente, wie z. B. Knieteile 90Grad. Eine solche Kombination verwenden wir zum herausführen und vernichten der überschüssigen Schallenergie. Dazu wird das Rohr von innen komplett mit Profilschaumstoff verkleidet (4cm Dicke reichen). Durch den Knick in dem Rohr (Knieteil 90Grad) wird der direktaustretende Schall wirksam bedämpft. Wir können das Rohr auch problemlos 2-fach geknickt konstruieren. Gesamtlänge von 0,5-1,5m ist vollkommen ausreichend. In der nachfolgenden Skizze ist die Grundform ersichtlich. Auf Maße habe ich bewußt verzichtet. Der Innendurchmesser sollte eher 20 als 15cm betragen. Wir wollen ja noch den Noppenschaumstoff einkleben. Auch 25cm sind kein Problem. Dies hängt auch davon ab was der einzelne vor Ort erstehen kann. Je nach Kabinenform und Größe können auch mehrer solcher Rohre pro Wand verbaut werden.



Das beste folgt aber noch. Wir befreien mit diesen Rohren den Raum nicht nur von störenden Resonanzen im Bassbereich. Wir bekommen damit auch ein Werkzeug in die Hand, mit dem wir nachträglich noch ohne großen Aufwand akustisch manipulieren können. Ist das Instrument oder der Sänger klanglich zu dünn? Kein Problem, werden die Löcher eben Schrittweise verschlossen. Der Clou ist ja der, das wir nicht nur die überschüssige Energie nach aussen führen, sondern durch die Lage der Löcher auch die Schwingungsbäuche auf der Wand aufbrechen (deshalb das vorherige abklopfen). Wenn wir nun so ein Loch wieder akustisch verschliessen, dies kann z. B. aussen mit einem Abschlussdeckel oder innen mit einem Absorber (z. B. Hofa) geschehen, so halten wir einerseits etwas von der Energie wieder zurück, haben aber andererseits immer noch die Hauptresonanz an ihrer stärksten Stelle unterbrochen. Das heißt somit, das der Sänger etwas mehr Volumen bekommt, ohne das gleich wieder die ganze Kiste dröhnt. Die akustische Situation fällt je nach Sänger oder Instrument anders aus. Mit diesen Rohren können wir uns nun an die jeweilige Situation anpassen. Wer die Flöhe husten hört und es ganz genau haben will, der kann die Rohre noch in der Länge varieren.

Teil 3: Diffusoren, Absorber und etwas Materialkunde

In den beiden bisherige Abschnitten ging es um eine solide Konstruktion unter Berücksichtigung akustischer Ergebnisse verschiedener Baumaßnahmen. Da unser Raum, bzw. die Kabine, schon allein von seiner Größe, einige akkustische Unzulänglichkeiten mit sich bringt, welche wir selbst mit den besten Tricks nicht beseitigen können, bedarf es einiger weiterer Maßnahmen zur Optimierung der Klangqualität. Dabei möchte ich gerne ein Thema voranstellen, was so eigentlich nirgends behandelt wird. Es geht um die Bewertung von Klang. Dabei möchte ich von der Bewertung "gut" und "schlecht" Abstand halten. Vielmehr geht es mir um "angenehm" und "unangenehm".

Dafür schauen wir uns als erstes die akustischen Eigenschaften diverser Materialien und Formen an. Vorab, es gibt kein akustisch wirkich totes Material oder eine akustisch tote Bauform. Jeder exestierende Körper, sei er aus noch so hartem oder weichem Material, läßt sich mehr oder weniger akustisch anregen. Man redet in diesem Zusammenhang auch von Resonanz. Wird nun ein Körper, egal welcher Bauform und aus welchen Material, durch Zuführung von Energie in Resonaz versetzt, so schwingt dieser in Abhängigkeit von seiner Masse und Bauform mit einer ganz bestimmten Frequenz, der Resonazfrequenz. Der eigentliche Clou ist jedoch der, daß der Körpert nicht nur mit seiner Resonazfrequenz schwingt, sondern daß im gesamten Körper noch eine Vielzahl von weiteren Frequenzen entstehen, welche in einem ganz bestimmten Verhältniss zur Resonzfrequenz stehen. Und diese Frequenzen sind das eigentliche Thema wenn es um "guten" bzw. "angenehmen" Klang geht. Wenn wir das Kind gleich beim Namen nennen wollen, so geht es hier also um Obertöne. Diese Obertöne helfe uns auch gewisse Formen oder Materialien schon allein an ihrem Klang zu erkennen. Ein Metallrohr kann genausogut bei 500 Hz resonieren wie ein Stück Holz, und doch können wir den Unterschied deutlich hören. Betrachten wir uns jetzt die Zusammensetzung der Obertöne, so fällt auf, das so gut wie alle in der Natur vorkommenden Materialien, und somit deren Geräusche, einem bestimmten Schema folgen, welches künstlich von Menschenhand geschaffene Materialien nicht vorweisen können. Komischerweise ist es auch so, das die Geräusche von den natürlichen Materialien für unser Ohr angenehm klingen, während dies bei künstlich erzeugten Materialien weniger der Fall ist. Dabei spielt die eigentliche Lautstärke kaum eine Rolle. Unangenehm bleibt unangenehm, egal wie leise. Um die ganze Sache etwas abzukürzen, können wir uns der Einfachheit halber folgendes merken:
Wir können eine Resonaz nie ganz wegdämpfen. Wir können jedoch mit Hilfe der Materialwahl dafür sorgen, das der erhaltene Rest uns wenigstens nicht stört, vielleicht sogar irgendwie schön klingt. Für unsere weitere Maßnahmen in der Gesangskabine bedeutet dies: möglichst wenig künstliche Materialien und eher natürliche Materialien. Und diese wären Holz, Wolle, Zellulose ja sogar Steine. Und alles was in der Namensgebung mit Poly.... anfängt nur soviel einsetzten wie gerade nötig (ganz darauf verzichten können wir leider auch wieder nicht).

a: Diffusor
Wie der Name schon sagt, ein Diffusor soll die Schallwellen diffus im umgebendem Raum verteilen. Dadurch werden die Schallwellen unterschiedlich gebrochen, in verschiedene Richtungen umgelenkt, mal mehr, mal weniger, mal wird der Schall auch einfach geschluckt. Erreicht wird dies durch eine unregelmäßige Oberfläche, womit das Reflexionsverhalten nie gleichmäßig ist. (Zur Erinnerung: symetrische und gleichmäßige Formen vermeiden!, s. oben). Auf der Homepage der Firma Hofa ist ein schönes Beispiel eines Diffusors zu sehen. Dort sehen wir auch, das der Diffusor aus Vollholz gefertigt ist. Und die Verwendung als Reflexionspanel für Gitarren zeigt wunderbar, daß meine zuvor aufgestellte These auch tatsächlich in der Praxis seine Verwendung findet - HOFA-Akustik Module für Raumakustik | Akustikelemente - Diffusor
Für den privaten Gebrauch bieten sich preiswertere Lösungen an. Setzkästen z. B. kann man schon zu einem Bruchteil des Preises für einen Diffusor bekommen. Wer die Möglichkeit hat (und die entsprechenden Muckis) kann sich auch ein Stk. Bruchstein in eine Ecke stellen. Dieser Reflektiert nicht nur den Schall ähnlich wie ein Diffusor, sondern kann auch einen resonanzanfälligen Dielenboden beruhigen. Ein ganz besonderes Schmankerl ist Bambus. Das Material ist einerseits hart, eigenet sich also gut als reflektierendes Material, andereseits ist es elastisch und hat eine natürlich eingewachsene Dämmschicht. Einige Panele von der Größe von ca. 70 x100cm aus Bambusstäben können der Umgebung eine sehr schöne Obertonresonaz verleihen, welche das Klangbild sehr frisch erscheinen läßt. Ob an der Wand oder an der Decke über Sänger bzw. dem Instrumentalisten hängt von den gegebenen Bedingungen ab, und solte im Einzelfall getestet werden. Bambusstäbe gibt es in jedem Baumarkt oder Gartenhandel.
Kurzum: mit Diffusoren und deren Ablegern erreichen wir nicht nur eine Zerstreuung der Schallwellen, sondern auch eine Anreicherung von Klangfarben auf natürlichem Wege. Dabei können wir nicht viel falsch machen. Es wird vielleicht mal zuviel des guten, jedoch wird es nie unangenehm.

b: Absorber
Ein Absorber soll die auftreffende Schallenergie absorbieren, also in sich aufnehmen, schlucken. Dafür ist nicht nur eine bestimmte Form von Nöten, sondern auch eine gewisse hohe Masse. Dabei haben wir nicht viele Möglichkeiten. In der Regel wird Noppenschaumstoff oder Pyramidenschaumstoff verwendet. Will man die Teile flexibel einsetzen, so werden 1-3 Lagen schwere Bitumenplatten in einen Rahmen gesetzt, zur Stabisierung kann eine dünne Sperrholzplatte verwendet werden (Buchensperrholz ist besser als Birke) und die gewünschten Schaumstoffplatten aufgeklebt. Fertig. Diese werden dort eingesetzt, wo bestimmte Reflexionen oder Geräusche möglichst unterbunden werden sollen, z. B. große Fensterflächen, Abschirmung von PC-Geräuschen etc. Eine dünne Lage Baumwollstoff darüber gespannt, und die Teile sehen auch noch gut aus. Und wenn die Kunst studierende Tochter, Schwester, Freundin noch ein Bild darüber malt ist die Tarnung perfekt. Es sei noch darauf hinzuweisen, daß die Teile, sofern sie frisch verklebt sind, einige Zeit im freiem trocknen sollten. Nicht das sich noch jemand in einen Rausch singt.... 8)

Eine Sonderform stellt die Auswahl eines geeigneten Teppichs dar. Auch hier gilt wieder - Wolle!! Es muß kein Flokati sein, ein 1,5-2cm dicker Wollteppich reicht aus. Und er sollte den Boden so 1/3 bis 2/3 bedecken. Nicht zu wenig, aber auch nicht zuviel. Im Lautsprecherbau ist Naturwolle nach wie vor das NonplusUltra. Maßvoll eingesetzt, beschert es uns ein sehr natürliches Klangtimbre, vor allem im ach so empfindlichem Mitteltonbereich (da wo sich das Spektrum der menschlichen Stimme hauptsächlich abspielt).

Bei den Basstraps im besonderen möchte ich auf diesen Artikel verweisen http://www.tonstudio-forum.de/lexicon/tu…umes/index.html . Da ist im Prinzip schon alles gesagt. Die Teile sind eher dem Profibereich zuzuordnen. Wer es günstiger haben will, und wenn der Platz es zuläßt, kann es auch mit einem Polstersessel probieren. Sofern dieser ehe vorhanden ist. Zugegeben, das Ergebniss ist nicht das gleiche. Auf die Schnelle kann es jedoch durchaus befriedigende Ergebnisse liefern.


So, dies war jetzt der dritte und letzte Teil. Einige Themen, speziell die Materialauswahl im drittem Teil, sind z. T. so komplex und Diskussionswürdig, daß ich diese nur angeschnitten habe. Der Rest ist eurer Fantasie überlassen. Ich hoffe ihr findet hier Lösungsansätze für diverse Probleme und/oder genügend Stoff für eigene Ideen.

Gruss aus den Alpen

Dieser Artikel wurde bereits 743 mal gelesen.

Tags: Gesangskabine, Gesangskabine bauen, Gesangskabine bauen Anleitung, Gesangskabine bauen Blog, Gesangskabine bauen Forum, Gesangskabine Bauplan, Gesangskabine Tips und Tricks

Kategorien: Akustik, Selbstbau, Tutorials

Artikel bewerten

Kommentare (5)

  • 5

    Von saki (Montag, 9. April 2012, 20:16)

    Super!!!!!!Wie senior sagt,noch die Skizzen dan wäre echt super.

  • 4

    Von leader (Freitag, 6. Januar 2012, 21:16)

    Bis jetzt wohl der vollständigste Artikel zu diesem komplexen Thema. Das wird der Hit im Netz!

  • 3

    Von zing (Samstag, 31. Dezember 2011, 14:21)

    Puuh :)

    Respekt, tolle, ausführliche Erklärung. Hoffe, wir sehen weiterhin Blog-Einträge von dir! Super Arbeit!

  • 2

    Von AI-Mastering (Freitag, 30. Dezember 2011, 22:49)

    Klasse Artikel! Auch noch mit Skizzen.

  • 1

    Von senior operator (Sonntag, 25. Dezember 2011, 23:09)

    Ein wirklich interessanter Artikel. Wenn noch die Skizzen folgen, wird es vermutlich einer der komplettesten Artikel im Netz :)